Heute war ich bei Hofer einkaufen, also der Aldi für die Österreicher. Ich wusste gar nicht, wie weit ich von diesem ganzen Konsumquatsch entwöhnt war. Sicher, ich kaufe ab und zu ein paar Luxusartikel, also Bio-Bier und meine Lieblingschips, wenn sie im Supersonderangebot im Regal liegen.

Aber heute, im Diskounter gehe ich an den Regalen entlang, den ganzen Non-Food Krempel kann man ja schon ein, zweimal gebrauchen, bevor er kaputt geht. Aber das Essen? Alles in Plastik eingepackt und darin, so stelle ich es mir halt vor, alles, was so ein Lebensmittel möglichst billig, billig und billig macht. Intensive Landwirtschaft mit massivem Einsatz von Chemie: Pestizide, Fungizide und Glyphosat, wer weiß, wie sich die Fruchtbarkeit oder Regenspeicherkapazität damit entwickelt, die Agrarchemiker werden schon was finden, mit dem der dann erodierte, leblose Boden noch so ein paar Jährchen was ausspuckt.

Dann die Verarbeitung, am besten in Billigländern, Transport kostet ja auch nix, wieso denn Sozialstandard einhalten, wenn der Einkäufer im Hofer alles aus Bulgarien, Chile oder Marokko zum halben Preis haben kann. Und selbst die bei uns produzierten Nahrungsmitteln wird zu großen Teilen durch Billigarbeiter (Saisonarbeiter im Fachdeutsch) produziert, teilweise mit kriminellem Lohndumping.

Die Produkte liegen also in Köflach im Diskounter und ich gehe daran vorbei und ich finde es einfach nur ekelhaft, überfliege die Verpackungen und kann irgendwie nichts finden, das mich anspricht. Vielleicht hab ich halt keinen Hunger oder bin von unserer Naturversorgung am Edlerhof einfach zu verwöhnt. Nein, ich muss sagen, dieses Essen im Diskounter ekelt mich derart an. Ich möchte nicht mehr in die Lage kommen, das essen zu müssen.

Ich gehe also zum hintersten Regal und finde, was ich suche: Eine Dose Rasierschaum für 99 Cent. Wow. Schnell zur Kasse, dieses mal ging es schnell. Und dann stehen vor mir 4 Menschen mit Einkaufswägen so gefüllt wie eine Weihnachtsgans. Ich ertrage es. Dann macht eine zweite Kasse auf, verdammt, ich reagiere zu langsam, bin schon fast dran, bleibe also in meiner Schlange. Der Herr vor mir sieht meine Dose Rasierschaum in der Hand und fragt mich, ob ich vor will. Ich verneine, bedanke mich aber und erkläre ihm, ich hab es nicht eilig. Das war nicht gelogen.

Als die Kassiererin meinen Rasierschaum in das System eingibt, zähle ich 99 Cent ab. Ich bezahle. Richtig gezählt. Das Kleingeld habe ich mir gestern mit Straßenmusik verdient. Ich kann mich wieder ein Jahr ordentlich rasieren. Muss ich aber nicht!

Kategorien: Jürgens Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.